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Der wilde Süden Chiles und die Carretera Austral


Unsere Freunde Nicole und Pit haben es uns nahe gelegt, und ausserdem sticht uns (vor allem Claus) der Hafer-jedenfalls beschliessen wir den Abstecher nach Süden zu machen bis Villa O'Higgins, wo offiziell das südliche Ende der Carretera liegt. Die Strasse bis dahin ist noch nicht saniert, das heisst sie besteht aus Kies (im besten Fall), so wie Geröll, Waschbrettwellen verschiedener Ausprägung und Schlaglöchern. Mit zunehmender Geschwindigkeit werden diese Unebenheiten flacher, so ab 70 bis 80 km/h wird es deutlich angenehmer, aber gleichzeitig strebt die Bodenhaftung zunehmend gegen Null, so dass jegliche Art von Querbeschleunigung nicht mehr in Frage kommt. Und eine solche kann auch bei Geradeausfahrt auftreten. Also gilt es, einen verträglichen Mittelweg zu finden.



Die andere Seite der Medaille besteht in phantastischen Berglandschaften, wilden Schluchten, reissenden Flüssen und üppiger Vegetation, welche an uns vorüberziehen. Auf dem Weg nach Süden machen wir einen Abstecher nach Tortel, dem Dorf das auf Stelzen steht.



Tatsächlich ist der Boden dort immer noch über die Sättigungsgrenze mit Wasser duchtränkt und sämtliche Bauten sind auf Pfählen errichtet, was dem Ort ein sehr spezielles Aussehen verleiht. Es gibt eine schöne Rundwanderung um den Flecken, welche ebenfalls über zahlreiche Stege führt.



Tags darauf erreichen wir Villa O'Higgins. Die Strasse ist nicht ganz durchgehend. In Puerto Yungai muss man für eine Stunde auf die Fähre, um einen weit ins Landesinnere reichenden Meeresarm zu überqueren. Der Ort , der überwiegend vom Tourismus lebt, als solcher wäre nicht unbedingt einen Besuch wert, aber eben, hier beginnt die Strassenerschliessung des südlichen Chile. Es ist kalt und ungemütlich, also nicht einladend für längere Wanderungen, so dass wir hier einfach übernachten und anschliessend den Rückweg nach Norden antreten.



Gleicher Weg, andere Richtung. Man entdeckt immer wieder etwas Neues. Der Rio Mayer begleitet uns ein ganzes Stück weit. Diesen nach Osten überquerend könnte man die direkteste Querverbindung nach Argentinien wahrnehmen, was von Zweiradfahrern öfters gemacht wird, für Autos aber nur bei ausgesprochenem Niedrigwasser möglich ist und auch dann eigentlich nur für Lastwagen.

Uns zieht es nun recht ordentlich nach Norden. Cochrane dient wieder als Übernachtungsplatz. In Puerto Rio Tranquilo erwarten uns die berühmten Marmorhöhlen, auf dem Weg dorthin kommen wir am Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Neff vorbei. Dort fliesst der Rio Baker über eine Geländestufe, den Wasserfall finden wir höchst beeindruckend.



In Rio Tranquilo besteigen wir zunächst den örtlichen Mirador, eine Felskanzel knapp 400 m über dem Dorf. Für den nächsten Tag haben wir eine Bootsfahrt gebucht.



Die Marmorhöhlen sind nämlich nur so zu erreichen und das ist, Toruristennepp hin oder her, ein Ausflug, den man unbedingt gemacht haben muss. Der hiesige Marmor wurde vor Zeiten kommerziell abgebaut. Später hat sich das nicht mehr gelohnt und heute ist die Gegend unter Naturschutz gestellt. Diese und viele weitere Informationen erhalten wir von unserer charmanten Reisebegleiterin, leider verstehen wir bei Weitem immer noch nicht alles.



Aber rechtzeitig kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und wir geniessen diesen Ausflug in vollen Zügen.




Mittags geht die Fahrt nach Norden weiter, über Villa Cerro Castillo Richtung Coyhaique. Der Cerro Castillo hat seinen Namen von seiner Form, die tatsächlich an eine Burg erinnert.



Auf dem ganzen Weg müssen wir feststellen, dass hier in Chile, im Gegensatz zu Argentinien, die Benutzung nicht nur der Wege in Nationalparks kostenpflichtig ist, sondern auch alle anderen Wanderwege fast ausnahmslos auf Privatgrund liegen und einem Benutzungszoll unterliegen, was uns - auch angesichts der Höhe dieses Zolls - ein wenig befremdet, wenn wir z.B. für einen einstündigen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt 24 Euro zu entrichten hätten, so dass wir manchenorts dankend verzichten.

Coyhaique ist der einzige "grössere" Ort auf diesem Streckenabschnitt. Dies erlaubt den Versand eines handschriftlich gezeichneten Dokumentes an Claus' Treuhänder, nach welchem dieser dringend verlangt hat. Die Suche nach steigeisenfesten Bergschuhen für Claus verläuft auch hier erfolglos.



Die nächste Tagesetappe endet in Puyuhuapi, wo wir auf unsere Bekannten Simon und Julia treffen , mit denen wir uns rege austauschen und eine schöne kleine Wanderung vor Ort unternehmen.



Hier haben sich in den dreissiger Jahren viele Deutsche angesiedelt, wovon vor allem einige Strassennamen Zeugnis ablegen. Deutsche Sprache hört man hier aber kaum mehr.



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