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La Paz bis Cochabamba


Viele unserer Freunde und Reisebekanntschaften haben uns abgeraten mit dem eigenen Auto nach La Paz zu fahren- zu viel Gedränge auf den Strassen, sehr steil, und gefährlich- nicht nur wegen der Unfallgefahr.

Nach unserem 6000-er Abenteuer wollten wir aber mal wieder etwas Sozialkontakte und Stadttrubel erleben, zu dem wollten wir die Gelegenheit der städt. Infrastruktur nutzen und Emily neue Reifen verpassen. Am Randgebiet von La Paz liegt der privat geführte Campingplatz "Las Lomas" von Marcos und seiner Familie- ein sicheres, gemütlich arrangiertes Grundstück, auf das etwa 4-6 Overlander mit ihren Autos passen, so auch wir.

Einzig der Weg dorthin verlangte, schon in den Aussenbezirken von La Paz, extreme Aufmerksamkeit im Strassenverkehr von Fahrer und Beifahrerin. Wir waren vor dem Verkehr in Bolivien gewarnt worden. Angeblich sollten die Autofahrer hierzulande fahren wie die Henker und der Strassenverkehr dadurch zum Spiel mit dem Tode geraten. Wir können das nicht bestätigen. Der Verkehr in den grossen Städten mutet zwar wie ein einziges riesiges Chaos an, indessen gehorcht dieses Chaos durchaus seinen eigenen Gesetzen, welche, hat man sie mal erfasst, eine einigermassen sichere Navigation erlaubt. Niemand hat hier im Grunde ein Interesse, Unfälle zu verursachen. Indessen gilt das grössere Recht dessen, der die besseren Nerven hat. Das kommt Claus' Cowboynatur entgegen. An welchen Rotlichtern man hält und welche man überfährt ist für uns noch ein Buch mit sieben Siegeln. Wir halten das im Einzelfall einfach so wie die Locals. Sammeltaxis machen einen grossen Anteil am Gesamtverkehr aus. Diese halten auch mal mitten in einem Verkehrskreisel an und warten, bis genügend Passagiere eingestiegen sind, was dauern kann. Vorbei an diesen Sammeltaxis, an Strassenmarktständen, Menschen und Hunden mussten wir also auch noch die Strasse und Richtung im Auge behalten. Steil war es tatsächlich so manches Mal, aber unser Büssli hat sich mit Bravur die Hänge hochgequält, manchmal mit etwas mehr schwarzer Rauchwolke, als Beweis seiner Anstrengung, welche auf gut 3600 m dem Motor alles abverlangt- wir sitzen dann immer Schwung nehmend auf unseren Sitzen und denken, jetzt nur nicht anhalten oder irgendein Bremsmanöver einleiten, damit wir auch ja hochkommen. Auch der Gedanke an Emma, die Lok von Jim Knopf, kommt uns immer wieder in den Sinn. Diese schnauft und ächzt ja auch immer mal wieder in den Aufzeichnungen. Lydia und Ju (Overland-Freunde aus Bayern) trafen wir auf dem Campingplatz und da sie vor kurzem auch den Acotango bestiegen hatten, war die Freude des Wiedersehens seit Ushuaia und der Austausch um die in den letzten Monaten erlebten Erfahrungen sehr lebhaft, lustig, interessant und wortreich.




Am Donnerstag machten wir uns auf in die von Marcos empfohlene Reifenwerkstatt und tatsächlich gab es die richtige Grösse mit korrektem Loadindex. Claus hat während des Wechsels noch die Bremsbeläge gecheckt und die hinteren bedurften eines Austauschs. Also auch dies noch in Auftrag gegeben. Da das aber nicht ganz komplikationslos machbar war, musste Emily dableiben und wir ins Hotel einziehen. Am nächsten Mittag sollten wir wieder vorstellig werden.



Wir haben die Zeit genutzt für einen Ausflug zu ein paar Zielen in La Paz. Wegen des schon beschriebenen Chaos auf den Strassen empfiehlt es sich, dafür das ausgezeichnet funktionierende System der Seilbahnen zu benutzen, was auch den Vorteil hat, eine super Übersicht über die riesige, sich zwischen Berghängen ausbreitende Stadt gewinnen zu können. So haben wir das Stadtzentrum mit der Franziskus Kathedrale besucht, sind zu Fuss durch die Quartiermärkte und den Hexenmarkt zum Stadtfriedhof aufgestiegen, dann mit der Seilbahn am Rande von EL Alto zum Mirador gelangt und haben unsere Runde mit einer weiteren langen Seilbahnfahrt abgeschlossen. Zurück in der Reifenwerkstatt teilte man uns mit, dass an der rechten Hinterbremse eine Halteklammer fehlen würde. Da das Teil nicht direkt sicherheitsrelevant ist haben wir auf eine Sonderanfertigung, welche weitere Tage gedauert hätte, verzichtet und den Ersatz auf Peru vertagt, wo es - im Gegensatz zu Bolivien - wieder Mercedes Garagen und -Ersatzteile gibt.



Nächstes Etappenziel war Cochabamba, die viertgrösste Stadt Boliviens, weniger hektisch und wesentlich übersichtlicher und ruhiger als La Paz. Die 381 km dorthin schaffen wir in 6 Std. 45 Min. Wir suchen uns einen ruhigen Schlafplatz am Strassenrand in einem Wohnquartier in Laufweite eines Italieners, bei dem wir leckeres Ceviche serviert bekommen.



Am kommenden Vormittag wollen wir die Stadt erkunden ( es gibt nicht sehr viel sehenswertes), allerdings werden wir in dem wunderschönen Jardinee des Palacio Portales, welcher als Kulturzentrum dient, überrascht- hier hat gerade eine Salvador Dali Ausstellung mit Bildern zu Dantes göttlicher Komödie eröffnet, die wir uns gern ansehen. Anschliessend fahren wir zum Monumento Cristo de la Concordia. Nach einer kleinen Runde um die gut 34 Meter hohe Christusstatue hoch über der Stadt beschliessen wir, um Zeit zu sparen, unser nächstes Etappenziel- dem Ausgangspunkt unserer morgigen Wanderung auf den Pico Tunari (5035 m) in Angriff zu nehmen.



Es sind etwa 40 km , teils über eine Strasse die angeblich für Drogentransporte genutzt wird, für die Google 1,5 Std. plant. Wir brauchen etwa 2, weil mittendrin noch das Chaos eines Dorffestes bewältigt werden muss. Aber wir kommen glücklich an der Embalse Marquina auf 4500 m an und geniessen einen kühlen, ruhigen Abend. Drogendealer sehen wir zum Glück keine.

Bei bestem Wetter starten wir am 17.4. die Wanderung. Tjorven ist nicht so fit und ihr alter ego Alois rät ihr ständig dazu umzudrehen, stehenzubleiben, die Übung abzubrechen. Dank Claus guter Guidingkenntnisse um solche Umstände, stehen wir nach 2 Std. 15 Minuten dann doch beide glücklich und zufrieden auf dem Gipfel. Von hier oben ist der Rundumblick einmal mehr fantastisch und sogar Cochabamba kann man sehen, leider ist es etwas diesig.

Am Auto zurück und nach einer ausgiebigen Pause geht es zum Vorräte bunkern zurück nach Cochabamba. Hier ist es bei 30 Grad so stickig und warm, dass wir uns dazu entscheiden aus der Stadt zu fahren. So landen wir schliesslich an der Laguna La Angostura. Hier stören wir niemanden und um uns herum sind nur Gräser und weidende Kühe. Morgen geht es weiter nach Tarata und Umgebung. Sucre, die zweite Hauptstadt Boliviens ist das nächste Hauptziel. Dort gönnen wir uns drei Tage Aufenthalt.



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